Sonntag, 16. März 2014

It started with a kiss Teil 1


Titel: It started with a kiss

Fandom: Harry Potter

Inhalt: Es begann mit einem Kuss und endete in einer Tragödie. Dazwischen lagen Jahre voller Trauer, Verleugnung und gegenseitigem Verrat… und verzweifelten Gefühlen.

Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 1/4
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere, Grundkonzepte und Songtexte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.

Hauptcharakter(e)/Paar(e): Severus Snape/Lucius Malfoy




Teil 1



Reborn And Shivering 

Spat Out On New Terrain 

Unsure, Unconvincing 

This Faint And Shaky Hour

(Alanis Morissette – Not as we)




Hogsmeade, Dezember 1975 


Wie Puderzucker fiel der Schnee vom nachtschwarzen Himmel. Er bestreute die Äste und Blätter der Bäume, die Dächer der kleinen Häuser des Zaubererdorfes und die Straßen zwischen den einzelnen Gebäuden. Auf der Erde angekommen sammelte er sich zu einer dichten, aber weichen Decke, die unter jedem Schritt ein vertrautes Knacken hören ließ. Sämtliche anderen Geräusche wurden von dieser einlullenden Stille verschluckt, sodass sich eine Aura der Einsamkeit und des Schweigens über das Gelände legte.



 Severus Snape war diese drückende Atmosphäre nur recht. Er war nicht sonderlich in der Stimmung für das, was ihn hier erwartet hatte. Mulciber und Avery hatten ihn dazu überredet, mit hierher zu kommen, sich heimlich aus dem Schloss zu schleichen, während die Weihnachtsfeier in der Großen Halle noch in vollem Gange war.
Zuerst hatte er es für ein Abenteuer gehalten, das dazu gedacht war, ihn auf andere Gedanken zu bringen. Ein kleiner Ausflug in Die Drei Besen, um einen erneuten Versuch zu starten, sich allein mit Butterbier hoffnungslos zu betrinken. Zur Aufheiterung ihres besten Freundes.
Doch er wollte gar nicht aufgeheitert werden, nachdem Lily einen weiteren seiner unzähligen Entschuldigungen einfach ignoriert hatte. Das Schlimme daran war, dass er ihr deutlich hatte anmerken können, wie schwer ihr dies gefallen war. Und trotzdem war sie nicht umzustimmen gewesen.



 Dank seiner Freunde war er hin und her gerissen. Einerseits schmerzte es ihn, seine beste Freundin und heimliche Liebe verloren zu haben und einfach nicht wiedergewinnen zu können. Andererseits spürte er immer öfter diesen zornigen Trotz in sich aufsteigen, der ihn überhaupt erst in diese Lage gebracht hatte. Eine kleine fiese Stimme in seinem Hinterkopf wollte ihn ständig davon überzeugen, dass sie es nicht wert war, sich so zum Idioten zu machen. Und Avery und Mulciber waren eindeutig derselben Meinung.
Aus diesem Grund hatten sie ihn auch hierher geschleppt, zu diesem geheimen Treffen in einem der wenigen Privathäuser in Hogsmeade.
Es gab keine private Party mit für minderjährige Schüler verbotenem Alkohol wie Feuerwhisky oder Elfenwein. Es war eine Versammlung ehemaliger Slytherin, die sich dem mächtigsten Schwarzmagier der Welt angeschlossen hatten und nun unter den Neuankömmlingen nach potentiellen Todessern suchten.



 Severus hatte jedoch keine Lust, sich ihre mitreißenden Reden über die Größe des Dunklen Lords anzuhören. Nicht in dieser Nacht. Er war viel zu deprimiert, um sich auf ihre Worte zu konzentrieren, selbst wenn manche Seiner Ideen sich noch so verlockend anhören mochten.
Eigentlich sollte er seine Freunde unterstützen. Die Wut auf seinen Vater, einen unnützen Muggel, der seine Wut über seine nichtmagische Existenz häufig an seiner Mutter ausließ, war in Hogwarts nicht abgekühlt. Nein, dank der Schulferien, die er zuhause verbringen musste, wurde sie immer wieder aufgewärmt und kochte wie ein brennendes Feuer in ihm, das mit Mal zu Mal heißer wurde.
Er hatte gedacht, Lily könne dies nachvollziehen. Und in gewisser Weise tat sie es auch. Doch sie wollte ihn ebenso ständig davon überzeugen, dass nicht jeder Muggel so war wie Tobias Snape. Aber die vielen nichtmagischen Kinder, die ihn früher sooft wegen seiner Zaubererkleidung gehänselt hatten, machten es ihm schwer, ihr zu glauben.



 In diesem Moment hörte er, wie sich ihm durch den Schnee knirschende Schritte näherten. Sofort versteifte er sich, aus Angst, man könne ihm seine Gedanken und Gefühle ansehen. Aus diesem Grund traute er sich auch nicht, sich umzudrehen und zu überprüfen, wer auf ihn zulief. Vermutlich würde er es sowieso bald erfahren, sagte er sich.
„Bist du nicht dieser Snape-Junge?“ Die Stimme hinter ihm klang neugierig und leicht hochnäsig zugleich. Er erkannte sie sofort wieder. Immerhin hatte er ein Jahr lang immer wieder einmal den Jugendlichen um Rat fragen müssen, dem sie gehörte.
Der blonde Lucius Malfoy war in dem Jahr Vertrauensschüler geworden, in welchem Severus in Hogwarts eingeschult worden war. Er hatte nach seiner Ernennung zum Slytherin neben ihm am langen Tisch gesessen und ihm sogar triumphierend auf die Schulter geklopft.
Und nun war er derjenige, der die Versammlung anführte und mit seinen großen Reden über Seine Herrlichkeit neue potentielle Todesser anwerben wollte.



 „Scheint wohl so. Wer sollte ich sonst sein?“, murmelte er abweisend, um den unerwünschten Neuankömmling wissen zu lassen, dass er allein sein wollte.
Doch Lucius dachte nicht daran, so schnell wieder zu verschwinden. „Man sagt, du seiest außergewöhnlich gut im Zaubertrankbrauen.“
Severus runzelte irritiert die Stirn. Er wollte kein Gespräch mit diesem Kerl führen. Und er wusste auch nicht, warum dieser so an ihm interessiert war. Unwillkürlich fragte er sich, ob das nicht zur Abwerbungsstrategie gehörte. Wenn das zutraf, dann waren diese Jungtodesser verdammt hartnäckig.
Er hoffte inständig, dass er mit ein paar weiteren ablehnenden Erwiderungen diesen Malfoy endlich vertreiben konnte. „Kann sein.“
Aber es funktionierte nicht. Noch nicht. „Du bist ein Halbblut, stimmt’s?“
Mit einem genervten Stöhnen drehte sich Severus zu dem anderen um. „Was willst du eigentlich von mir?“



 Statt einer Antwort trat Lucius auf ihn zu, so nahe, dass sich ihre Nasenspitzen fast berührten. Severus konnte das eisige Grau der Iris seines Gegenübers trotz der aufkommenden Dunkelheit deutlich erkennen. Und er bemerkte auch sofort das kurze amüsierte Funkeln, das in diese Augen trat. Bevor er jedoch reagieren konnte, beugte sich der Ältere zu ihm hinunter und presste seine dünnen Lippen auf seine. Obwohl er nicht versuchte, seine Zunge in Severus’ Mund zu schmuggeln, war der Kuss fühlbar von einer ungezügelten und hemmungslosen Leidenschaft geprägt.
Er versteifte sich automatisch, nicht fähig, irgendetwas zu unternehmen.
Lucius schien dies zu bemerken und löste sich schnell wieder von ihm. Snape konnte ein erleichtertes Seufzen nicht unterdrücken.
Den jungen Malfoy störte dies sichtlich überhaupt nicht. Er schenkte ihm stattdessen ein knappes, wissendes Lächeln und drehte sich dann wortlos um, um davon zu stolzieren.
Severus sah ihm fassungslos hinterher und berührte dabei unwillkürlich mit den Fingerspitzen seine Lippen. Er war noch nie auf diese Art und Weise geküsst worden. Und schon gar nicht von einem Jungen. Am besten vergaß er dieses peinliche Erlebnis ganz schnell wieder. Es war sicherlich nur ein dummer Scherz gewesen.



 London, März 1979 


„Verschwinde!“
Innerlich seufzte Lucius Malfoy verärgert auf, doch nach außen hin hielt er seine emotionslose Miene aufrecht. Stattdessen sah er sich ausgiebig in dem für seine Vorstellungen relativ kleinen Raum um, den Severus sein Labor nannte und rümpfte die Nase.
Überall lagen zerbrochene Reagenzgläser und die Scherben früherer Fläschchen in allen Formen und Größen herum. Auf dem Boden verstreute Bücher und umgeworfene Möbelstücke, ein kleiner Beistelltisch, ein Schränkchen oder mehrere Stühle deuteten darauf hin, dass hier ein Wirbelsturm gewütet haben musste.
Oder dass sein Freund einen seiner berühmten Wutanfälle gehabt hatte.
Der Laune seines Gegenübers nach zu urteilen war wahrscheinlich das Zweite wesentlich zutreffender. Besonders da das Gebäude ansonsten noch völlig intakt war.



 „Wie ich sehe, hast du es dir wieder einmal richtig gemütlich gemacht.“, kommentierte er lakonisch und wappnete sich innerlich bereits für eine aufbrausende Antwort.
Die nicht lange auf sich warten ließ. „Wenn es dir nicht gefällt, kannst du gerne sofort von hier verschwinden. Da habe ich überhaupt nichts dagegen.“
Lucius hob sein rechtes Bein, um über ein Stuhlbein hinweg zu steigen. Glassplitter knirschten unter seinen Füßen, während er sich Severus ungerührt näherte. „Darauf wette ich. Aber ich finde, dieser Bruchbudenstil hat einen gewissen Reiz.“
Er wusste, dass sein Freund irgendetwas bedrückte oder eher in Rage versetzte. Und er wusste auch, auf welche Weise er mehr darüber erfahren würde. Man musste Snape nur lange genug ärgern und durfte sich selbst dessen mitunter äußerst verletzenden Kommentare nicht zu Herzen nehmen. Dann gab er sich meist irgendwann geschlagen.



 In diesem Moment war er zumindest kurz davor. Er stieß ein genervtes Stöhnen aus und legte die Pipette zur Seite, mit deren Hilfe er das Drachenblut tropfengenau in den Kessel hatte geben wollen.
Über Lucius’ Lippen glitt der Hauch eines triumphierenden Lächelns. Severus nutzte das Zaubertrankbrauen, um sich abzureagieren und seine Wut in sich zu verschließen. Ihn davon abzuhalten bewirkte nicht selten, dass er mehr über seine Gefühle verriet, als er beabsichtigte.
Mit funkelnden, schwarzen Augen drehte sich sein Gegenüber zu ihm um. „Deine höhnischen Bemerkungen interessieren mich nicht. Wieso kehrst du nicht zurück zu deinen Reinblüterfreunden und versuchst es dort?“
Lucius schluckte eine bissige Erwiderung hinunter, die ihm auf der Zunge lag. Sobald er sie aussprach, hatte er verloren.



 Snape war ein Vulkan, der lange Zeit so ruhig bleiben konnte, dass man geneigt war zu glauben, er wäre für immer verloschen. Und dann brach er unvermittelt aus.
Doch genau dieses Feuer war es, das ihn so faszinierte, so anzog. Ihn, den „eiskalten, gefühllosen Mistkerl“, wie sein Freund ihn einmal genannt hatte.
Severus war kein sehr gutaussehender Mann. Viele mochten ihn sogar als unattraktiv bezeichnen. Sein schmales, fahlhäutiges Gesicht mit der markanten Hakennase, umrahmt von strähnigen, fettigen Haaren würde bestimmt nie den Preis in einem Schönheitswettbewerb gewinnen. Zudem war er ausgesprochen dünn mit langen, spinnenartigen Fingern. Und er verfügte über den schlechtesten Modegeschmack, den Lucius sich vorstellen konnte.
Doch es störte ihn nicht. Er trug seine schwarzen Umhänge sogar mit Stolz, selbst wenn ihnen mehr als deutlich anzusehen war, dass er sie bereits seit Jahren besaß.



 Lucius bewunderte ihn im Stillen dafür. Aber er würde es nicht offen zugeben. In der Hinsicht war er zu sehr der Sohn seines Vaters, selbst wenn er den Mistkerl nicht ausstehen konnte. Dessen jahrelange Erziehung hatte ihn scheinbar viel zu sehr verdorben. Im Gegensatz dazu hatte er sich einen Geliebten ausgesucht, den Malfoy Senior garantiert missbilligte.
Auf diese Weise hatte es jedenfalls begonnen. Aus diesem Grund war er erst auf Snape aufmerksam geworden und hatte ihn schließlich das erste Mal verführt. Nach ihrem ersten Kuss vor vier Jahren waren beinahe zwei Jahre vergangen, bevor seine Avancen erfolgreich gewesen waren. Zudem hatte er seinen Freund sogar etwas betrunken machen müssen.
Aber er machte sich keine Illusionen. Er wusste genau, weshalb Severus ihm damals schließlich nachgegeben hatte. Und warum er vor wenigen Stunden so in Zorn geraten war.



 „Was braust du genau? Etwa ein Gift, das dieses Schlammblut noch in ihrer Hochzeitsnacht zur Witwe machen soll?“
An der Art, wie sein Freund sich versteifte und sich mit emotionsloser Miene von ihm abwandte, erkannte er, dass er ihn mit seinen Worten schwer getroffen hatte. Nicht Snapes Wut musste er fürchten, sondern dessen gefährliche Ruhe. Denn in solchen Moment stieß er so schmerzhaft zu wie eine Viper, die sich unsichtbar im Gras verborgen hatte.
Die verbale Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. „Wann willst du eigentlich deinem Vater gestehen, dass du ihn erneut enttäuschst und ihm wohl niemals einem Enkel schenken wirst? Und das nur, weil du aus Trotz der holden Damenwelt abgeschworen hast.“
Lucius wusste, er sollte über dieser Bemerkung stehen, besonders da er sich bewusst für seinen Lebenswandel entschieden hatte. Doch er tat es nicht. Tief in seinem Inneren verletzte ihn der indirekte Vorwurf, er wäre nur mit Severus zusammen, um seine Familie zu ärgern.



 Augenblicklich verwandelte er seinen Schmerz in herablassende Boshaftigkeit. „Du lenkst vom Thema ab. Als Todesser solltest du diese dreckige Muggelgeborene mit Verachtung strafen anstatt ihr hinterher zu trauern. Ihr Mann, den du so sehr hasst, tut mir fast schon leid, weil er sich mit diesem Schmutz befleckt hat.“
Er sah das Glasfläschchen bereits auf sich zufliegen, bevor sein Freund es warf, und duckte sich rechtzeitig. Hinter ihm zerschellte es mit lautem Klirren an der Steinwand.
Betont langsam richtete er sich wieder zu seiner vollen Größe auf. „Immerhin verkrieche ich mich nicht in meinem Selbstmitleid und demoliere meine Einrichtung, weil sich eine ganz bestimmte Frau nicht für mich interessiert.“ Zwar hatte er es vermeiden wollen, doch zu seinem Unmut sprach seine Eifersucht deutlich aus seiner Stimme.
Sein Gegenüber merkte es in seiner Wut nicht einmal. „Dann habt ihr ja beide etwas gemeinsam, nur dass du dich für überhaupt niemand anderen interessierst als für dich selbst.“



 In diesem Moment hätte Lucius gerne ebenfalls etwas gehabt, das er werfen konnte. Aber er unterdrückte seinen Zorn, schluckte ihn hinunter und ließ seine Miene erneut zu einer undurchdringlichen Maske erstarren. „Mit deinen Talenten könntest du viel mehr sein als ein zweitklassiger Handlanger. Doch du spielst lieber den verschmähten Liebhaber, der feige resigniert anstatt zu kämpfen. Du solltest dich auf deine eigentlichen Aufgaben konzentrieren, die Er dir zugeteilt hat. Sonst bist du nur ein erbärmlicher Trottel.“
Enttäuscht wandte er sich zum Gehen. Eigentlich war er für etwas ganz Anderes hierher gekommen, aber wie sooft in letzter Zeit endete ihre Begegnung in einem Streit. Und nun war ihm die Lust auf weitere Freizeitaktivitäten gehörig vergangen.
Snape dagegen war noch nicht zufrieden, sondern musste wieder einmal das letzte Wort haben. „Ich frage mich, wer erbärmlicher ist: Ich oder der Mann, der trotz allem immer wieder angekrochen kommt, um mich zu nerven?“
Obwohl er so tat, als hätte er diese Frage geflissentlich überhört, versetzte sie ihm einen sehr schmerzhaften Stich.



TBC


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